Wer über eine Wärmepumpe nachdenkt oder schon eine betreibt, fragt sich früher oder später: Wie viel Strom braucht sie eigentlich? Die ehrliche Antwort lautet: Das hängt vom Haus ab. Eine Zahl aus einem Prospekt oder Forum sagt über Ihr Gebäude wenig aus. Den Verbrauch abzuschätzen und einzuordnen, ist trotzdem gut möglich. Dafür brauchen Sie zwei Größen: den Wärmebedarf des Hauses und die Jahresarbeitszahl der Anlage.
Die Grundformel
Die Jahresarbeitszahl, kurz JAZ, gibt an, wie viele Kilowattstunden Wärme die Wärmepumpe im Jahresmittel aus einer Kilowattstunde Strom macht. Den Rest holt sie als Umweltwärme aus Luft, Erdreich oder Grundwasser. Je höher die JAZ, desto weniger Strom braucht die Anlage für dieselbe Wärmemenge.
Wie stark die JAZ wirkt, zeigt eine einfache Rechnung: Bei gleichem Wärmebedarf braucht eine Anlage mit einer JAZ von 4 ein Viertel weniger Strom als eine Anlage mit einer JAZ von 3. Schon kleine Verbesserungen bei der Effizienz machen sich deshalb über das Jahr bemerkbar.
Den Wärmebedarf abschätzen
Steht die Wärmepumpe noch nicht, liefert die bisherige Heizung einen ersten Anhaltspunkt:
- Gasheizung: Der Verbrauch steht auf der Jahresabrechnung meist schon in Kilowattstunden.
- Ölheizung: Ein Liter Heizöl EL entspricht rund 10 Kilowattstunden (Heizwert).
- Wirkungsgrad berücksichtigen: Nicht jede Kilowattstunde Brennstoff kommt als Wärme im Haus an. Der tatsächliche Wärmebedarf liegt deshalb etwas unter dem Brennstoffverbrauch – wie viel, hängt vom Zustand des alten Geräts ab.
- Warmwasser einbeziehen: Hat die alte Heizung auch das Warmwasser erwärmt, steckt dieser Anteil bereits im Verbrauch.
Diese Abschätzung ist grob. Wird die Wärmepumpe geplant, ermittelt ein Fachbetrieb die Heizlast des Gebäudes raumweise. Was davor zu prüfen ist, erklärt der Ratgeber Wärmepumpe im Altbau.
JAZ, COP und SCOP – was die Kennzahlen bedeuten
- COP: Die Leistungszahl beschreibt die Effizienz in einem festgelegten Prüfpunkt, etwa bei einer bestimmten Außen- und Vorlauftemperatur. Sie ist eine Momentaufnahme und eignet sich zum Vergleich von Geräten unter gleichen Bedingungen.
- SCOP: Die saisonale Leistungszahl wird nach einem genormten Verfahren über eine typische Heizperiode berechnet. Sie steht im Datenblatt und auf dem Energielabel und kommt dem Jahresbetrieb näher als der COP.
- JAZ: Die Jahresarbeitszahl beschreibt den tatsächlichen Betrieb in Ihrem Haus: gemessene Wärme geteilt durch gemessenen Strom über zwölf Monate. Sie berücksichtigt Ihr Gebäude, Ihre Heizflächen, Ihr Warmwasser und Ihre Einstellungen.
Datenblattwerte sind deshalb nicht dasselbe wie die Effizienz im eigenen Haus. Bei der Planung wird die zu erwartende JAZ für das konkrete Gebäude abgeschätzt; nach dem ersten vollen Betriebsjahr lässt sie sich messen.
Was den Stromverbrauch bestimmt
Vorlauftemperatur
Der wichtigste Hebel. Je wärmer das Heizungswasser sein muss, desto größer ist der Temperatursprung, den die Wärmepumpe leisten muss – und desto mehr Strom braucht sie. Die Vorlauftemperatur wird über die Heizkurve gesteuert. Wie Sie sie prüfen und anpassen, erklärt der Ratgeber Heizkurve einstellen.
Heizflächen und Verteilung
Große Heizflächen wie eine Fußbodenheizung oder ausreichend große Heizkörper geben auch bei niedriger Temperatur genug Wärme ab. Sind einzelne Heizkörper zu klein oder ist die Wärme ungleich verteilt, wird die Vorlauftemperatur für das ganze Haus höher eingestellt als nötig. Abhilfe schaffen gezielt getauschte Heizkörper und ein hydraulischer Abgleich.
Wärmequelle
Luft-Wasser-Wärmepumpen nutzen die Außenluft, die im Winter am kältesten ist, wenn am meisten Wärme gebraucht wird. Erdreich und Grundwasser haben übers Jahr gleichmäßigere Temperaturen. Bei Luft-Wasser-Wärmepumpen kommt hinzu, dass die Außeneinheit bei kalter, feuchter Witterung vereisen kann und abgetaut werden muss.
Warmwasser
Für Warmwasser braucht die Wärmepumpe meist höhere Temperaturen als für die Heizung. Je höher die eingestellte Speichertemperatur, desto mehr Strom fließt in die Warmwasserbereitung. Gleichzeitig müssen die Vorgaben zum Schutz vor Legionellen eingehalten werden. Was dabei gilt, steht im Ratgeber Legionellen und Warmwassertemperatur.
Heizstab
Viele Wärmepumpen haben einen elektrischen Heizstab als Reserve für sehr kalte Tage oder für bestimmte Warmwasserfunktionen. Er wandelt Strom eins zu eins in Wärme um. Springt er häufig an, steigt der Verbrauch spürbar.
Auslegung und Betrieb
Eine zu groß gewählte Wärmepumpe schaltet oft ein und aus, eine zu kleine braucht häufiger den Heizstab. Auch Raumtemperatur, Lüftungsverhalten und starke Temperaturabsenkungen spielen eine Rolle: Muss nach einer Absenkung mit höherer Vorlauftemperatur wiederaufgeheizt werden, kann das die Effizienz senken. Mehr dazu im Ratgeber Nachtabsenkung der Heizung.
Den tatsächlichen Verbrauch messen
- Eigener Stromzähler: Ein separater Zähler für die Wärmepumpe zeigt genau, was sie verbraucht – unabhängig vom Haushaltsstrom.
- Wärmemengenzähler: Er erfasst die abgegebene Wärme. Erst beide Werte zusammen ergeben die tatsächliche Jahresarbeitszahl.
- Anzeige im Gerät: Viele Wärmepumpen zeigen Energiewerte an. Prüfen Sie in der Anleitung, ob die Werte gemessen oder nur berechnet werden.
- Regelmäßig ablesen: Notieren Sie die Zählerstände monatlich. Vergleichen Sie dabei Monate mit ähnlicher Witterung, nicht Januar mit April.
Woran Sie einen zu hohen Verbrauch erkennen
- Der Verbrauch bleibt auch bei milder Witterung hoch.
- Der Heizstab läuft häufig, obwohl es nicht besonders kalt ist.
- Die Wärmepumpe schaltet in kurzen Abständen ein und aus.
- Die Vorlauftemperatur liegt deutlich höher, als das Haus offenbar braucht.
- Einzelne Räume werden nur warm, wenn die Temperatur insgesamt angehoben wird.
- Die gemessene Jahresarbeitszahl liegt deutlich unter dem Wert aus der Planung.
Diese Anzeichen haben oft eine Ursache in den Einstellungen, in der Verteilung der Wärme oder in der Auslegung. Ein Defekt ist seltener.
Was Sie selbst tun können
- Heizkurve prüfen: Werden alle Räume warm, obwohl die Thermostate ständig weit gedrosselt sind, ist die Vorlauftemperatur oft höher als nötig.
- Thermostatventile nicht ständig verstellen: Häufiges Auf- und Zudrehen stört eine gleichmäßige Regelung.
- Warmwassertemperatur nicht unnötig hoch einstellen – aber die Hygienevorgaben einhalten und Änderungen im Zweifel mit dem Fachbetrieb abstimmen.
- Außeneinheit frei halten: Laub, Schnee und zugestellte Luftwege behindern den Luftstrom. Das Gerät öffnen Sie dafür nicht.
- Werte notieren: Zählerstände, Außentemperatur und Auffälligkeiten helfen dem Fachbetrieb bei der Einschätzung.
Arbeiten am Kältekreis, an der Elektrik und in der Fachebene der Regelung gehören ausschließlich in die Hände von Fachkräften.
Stromtarif und Zähler
Für Wärmepumpen bieten viele Stromversorger eigene Tarife an, die meist einen separaten Zähler voraussetzen. Außerdem gelten für Wärmepumpen zur Raumheizung, die seit dem 1. Januar 2024 in Betrieb gegangen sind und eine Netzanschlussleistung von mehr als 4,2 kW haben, die Vorgaben für steuerbare Verbrauchseinrichtungen nach § 14a Energiewirtschaftsgesetz. Mehrere Geräte derselben Art werden für diese Grenze zusammengerechnet. Droht eine Überlastung des örtlichen Stromnetzes, darf der Netzbetreiber den Strombezug vorübergehend drosseln. Mindestens 4,2 kW bleiben dabei nach den Vorgaben der Bundesnetzagentur immer verfügbar, bei größeren Anlagen kann die garantierte Leistung höher liegen. Im Gegenzug sinken die Netzentgelte; für eines der dafür vorgesehenen Modelle ist ein separater Zähler nötig. Welche Möglichkeiten es für Ihren Anschluss gibt, klären Sie mit Netzbetreiber, Stromversorger und Elektrofachkraft. Dieser Ratgeber ersetzt keine Tarif- oder Rechtsberatung.
Wann ein Fachbetrieb draufschauen sollte
- Der Verbrauch ist deutlich höher als erwartet, und Sie finden keine Erklärung.
- Der Heizstab springt häufig an.
- Die Anlage taktet stark oder meldet Störungen.
- Räume werden nur mit hoher Vorlauftemperatur warm.
- Eine Wärmepumpe soll geplant werden und Sie möchten den Verbrauch vorab abschätzen.
Ob eine Wärmepumpe in Ihrem Gebäude sinnvoll arbeiten kann, prüfen wir auf unserer Seite Wärmepumpe Berlin. Zu Fördermöglichkeiten gibt die Seite Förderung Heizungsmodernisierung einen Überblick.
Fazit
Den Stromverbrauch einer Wärmepumpe bestimmen zwei Größen: wie viel Wärme das Haus braucht und mit welcher Jahresarbeitszahl die Anlage arbeitet. Die wichtigsten Stellschrauben sind eine möglichst niedrige Vorlauftemperatur, ausreichend große Heizflächen, eine gleichmäßige Verteilung und ein Heizstab, der nur in Ausnahmefällen läuft. Wer den Verbrauch mit eigenem Zähler erfasst, erkennt Abweichungen früh.



















































































