Die Wärmepumpe läuft seit einem Jahr, die Stromabrechnung liegt vor, und jetzt stellt sich die Frage: Arbeitet die Anlage so effizient, wie sie soll? Die Antwort liefert die Jahresarbeitszahl, kurz JAZ. Hier lesen Sie, was sie aussagt, worin sie sich von COP und SCOP unterscheidet, wie Sie sie mit zwei Zählerständen selbst ermitteln und welche Einstellungen und Bauteile sie beeinflussen.
Was die Jahresarbeitszahl aussagt
Die Jahresarbeitszahl setzt die Wärme, die eine Wärmepumpe innerhalb eines Jahres an das Heizsystem und das Warmwasser abgibt, ins Verhältnis zum Strom, den sie dafür verbraucht:
Die JAZ ist ein gemessener Wert aus Ihrem Haus, mit Ihrem Wetter, Ihren Heizkörpern und Ihrem Warmwasserverbrauch. Genau das macht sie aussagekräftiger als jede Angabe im Prospekt. Je höher sie ist, desto weniger Strom braucht die Anlage für dieselbe Wärme. Wie sich daraus der Verbrauch abschätzen lässt, erklärt der Ratgeber Wärmepumpe Stromverbrauch.
JAZ, COP und SCOP im Vergleich
Alle drei Kennzahlen beschreiben das Verhältnis von Wärme zu Strom. Sie unterscheiden sich darin, unter welchen Bedingungen und über welchen Zeitraum sie entstehen:
| Kennzahl | Was sie beschreibt |
|---|---|
| COP | Momentaufnahme im Prüfstand bei einem festen Betriebspunkt, etwa A2/W35: 2 °C Außenluft, 35 °C Vorlauf |
| SCOP | Rechnerischer Jahreswert aus mehreren Prüfpunkten für ein festgelegtes Referenzklima |
| JAZ | Gemessener Wert der realen Anlage über ein Jahr, einschließlich Warmwasser |
COP und SCOP eignen sich, um Geräte miteinander zu vergleichen. Sie sagen aber nichts darüber, wie gut die Wärmepumpe in Ihr Haus eingebunden und eingestellt ist. Das zeigt erst die Jahresarbeitszahl. Dass sie unter dem SCOP liegt, ist üblich, weil im Alltag höhere Vorlauftemperaturen, Abtauvorgänge und Warmwasserbereitung dazukommen.
Wovon die Jahresarbeitszahl abhängt
Den größten Einfluss hat der Temperaturabstand zwischen Wärmequelle und Heizwasser. Je weniger warm das Wasser sein muss, das die Wärmepumpe liefert, desto weniger Arbeit hat der Verdichter. Daraus ergeben sich die wichtigsten Faktoren:
- Vorlauftemperatur: Jedes Grad weniger verbessert die Effizienz spürbar. Wie Sie die Temperatur senken, ohne dass Räume kalt bleiben, zeigt der Ratgeber Vorlauftemperatur einstellen.
- Heizflächen: Fußbodenheizungen und große Heizkörper kommen mit niedrigen Temperaturen aus, kleine Heizkörper brauchen mehr. Einzelne zu kleine Heizkörper können die Temperatur für das ganze Haus nach oben treiben.
- Warmwasser: Trinkwasser wird heißer erzeugt als Heizwasser. Ein hoher Warmwasseranteil senkt die Jahresarbeitszahl.
- Hydraulik: Passender Durchfluss, ein abgeglichenes Heizsystem und eine sinnvoll eingebundene Speichertechnik sorgen für lange, ruhige Laufzeiten.
- Einstellung: Heizkurve, Warmwassertemperatur, Freigabe des Heizstabs und Sperrzeiten wirken direkt auf das Ergebnis.
- Wärmequelle: Erdreich und Grundwasser sind im Winter wärmer als die Außenluft. Erdwärmepumpen erreichen deshalb typischerweise höhere Werte als Luft-Wasser-Wärmepumpen.
Im Altbau sind höhere Vorlauftemperaturen nicht automatisch ein Ausschlusskriterium, sie kosten aber Effizienz. Worauf es dort ankommt, beschreibt der Ratgeber Wärmepumpe im Altbau.
Die Jahresarbeitszahl selbst ermitteln
Für die Berechnung brauchen Sie zwei Werte über denselben Zeitraum: die abgegebene Wärme und den verbrauchten Strom. So gehen Sie vor:
- Stichtag festlegen: Notieren Sie am selben Tag den Stand des Wärmemengenzählers und des Stromzählers der Wärmepumpe, am besten mit Foto.
- Nach einem Jahr wiederholen: Ziehen Sie jeweils den alten vom neuen Stand ab und teilen Sie die Wärme durch den Strom.
- Zwischendurch monatlich ablesen: So erkennen Sie, wie sich die Werte mit den Jahreszeiten verändern, und bemerken Auffälligkeiten früher.
Worauf Sie bei den Zählern achten sollten
- Viele Wärmepumpen zeigen im Menü eine Wärmemenge an. Sie wird oft aus Temperaturen und Durchfluss berechnet und ist daher eine Schätzung. Ein separat eingebauter Wärmemengenzähler ist genauer.
- Prüfen Sie, ob der Stromzähler alles erfasst: Verdichter, Steuerung, Pumpen und den elektrischen Heizstab. Fehlt ein Teil, fällt die JAZ zu gut aus.
- Achten Sie darauf, wo die Wärme gemessen wird. Ein Zähler direkt an der Wärmepumpe erfasst auch Wärme, die später im Speicher verloren geht.
- Einige Geräte geben in der Energiestatistik bereits eine Arbeitszahl aus. Auch sie beruht auf den internen Messwerten und ist mit Vorsicht zu vergleichen.
Ergebnis einordnen
Ein einzelner Wert ohne Zusammenhang hilft wenig. Vergleichen Sie Ihr Ergebnis mit dem, was bei der Planung erwartet wurde, und mit den Vorjahren. Ein besonders kalter Winter oder ein Jahr mit Estrichtrocknung nach dem Bau drückt die Zahl, ohne dass die Anlage schlechter geworden ist. Auffällig sind dagegen:
- eine JAZ, die deutlich unter der Planung liegt, ohne dass das Wetter es erklärt
- ein Rückgang von Jahr zu Jahr bei gleichem Verbrauchsverhalten
- Monate, in denen der Stromverbrauch sprunghaft steigt, die Wärme aber nicht
- sehr viele Verdichterstarts im Verhältnis zu den Betriebsstunden
Sprünge im Stromverbrauch gehen häufig auf den Heizstab zurück, viele Starts auf ein Takten der Anlage. Beides lässt sich in der Statistik des Geräts nachvollziehen.
So lässt sich die Jahresarbeitszahl verbessern
- Heizkurve absenken: Viele Anlagen laufen nach der Inbetriebnahme mit einer steileren Kurve als nötig. Senken Sie sie schrittweise und beobachten Sie die Raumtemperaturen über einige Tage. Anleitung: Heizkurve einstellen.
- Thermostatventile offen lassen: Wärmepumpen arbeiten am besten, wenn das Wasser frei durch viele Heizflächen fließen kann. Die Raumtemperatur regelt dann vor allem die Heizkurve.
- Engstelle Heizkörper beheben: Bestimmt ein einzelner zu kleiner Heizkörper die Vorlauftemperatur, kann sein Austausch die ganze Anlage entlasten. Mehr dazu im Ratgeber Heizkörper für Wärmepumpe.
- Warmwassertemperatur prüfen: Stellen Sie sie nicht höher ein als nötig, halten Sie aber die Vorgaben zur Trinkwasserhygiene und die Empfehlungen des Herstellers ein.
- Heizstab begrenzen: Er sollte nur bei Bedarf freigegeben sein, nicht als Dauerunterstützung.
- Hydraulik prüfen lassen: Ein hydraulischer Abgleich sorgt dafür, dass alle Räume mit niedriger Vorlauftemperatur warm werden.
Wann ein Fachbetrieb helfen sollte
Wenn die Jahresarbeitszahl deutlich hinter den Erwartungen bleibt und einfache Einstellungen nichts ändern, lohnt sich ein genauer Blick auf die Anlage. Ein Fachbetrieb prüft Heizkurve, Durchfluss, Einbindung von Speichern, die Freigabe des Heizstabs und die Messstellen der Zähler. Einstellungen in der Fachebene des Reglers sollten Sie nicht selbst verändern, weil sie auch Schutzfunktionen betreffen.
Bei der Planung und Optimierung einer Wärmepumpe in Berlin achten wir auf niedrige Vorlauftemperaturen und eine saubere Hydraulik. Müssen dafür Heizkörper getauscht oder Teile des Heizsystems angepasst werden, gehört das zur Heizungsmodernisierung. In Mietwohnungen und Mehrfamilienhäusern ist für Einstellung und Optimierung der Anlage in der Regel der Vermieter oder die Hausverwaltung zuständig.























































































































