„Für eine Wärmepumpe brauchen Sie eine Fußbodenheizung“ – dieser Satz ist so nicht richtig. Eine Wärmepumpe kann auch mit Heizkörpern effizient arbeiten. Voraussetzung ist, dass die Heizkörper die Räume mit niedriger Vorlauftemperatur ausreichend warm bekommen. Dieser Ratgeber erklärt, warum das ein Thema ist, wie Sie Ihre Heizkörper einschätzen und welche Lösungen es gibt, wenn einzelne Räume knapp werden.
Ob eine Wärmepumpe in Ihrem Gebäude grundsätzlich sinnvoll ist, beschreibt der Ratgeber Wärmepumpe im Altbau. Hier geht es gezielt um die Heizkörper.
Warum die Heizkörper bei der Wärmepumpe so wichtig sind
Eine Wärmepumpe arbeitet umso effizienter, je niedriger die Vorlauftemperatur ist, mit der das Haus auskommt. Jedes Grad weniger senkt den Stromverbrauch – wie stark sich das auswirkt, zeigt der Ratgeber Wärmepumpe Stromverbrauch. Ein Heizkörper gibt bei niedrigerer Wassertemperatur aber deutlich weniger Wärme ab. Sind die Heizkörper zu klein, muss die Vorlauftemperatur für das ganze Haus angehoben werden – und die Wärmepumpe verliert an Effizienz.
Häufig ist nicht das ganze Haus das Problem, sondern ein einzelner Raum: ein Eckzimmer mit zwei Außenwänden, ein Bad mit kleinem Heizkörper oder ein Raum, dessen Heizkörper bei einer Renovierung verkleinert wurde. Dieser Raum bestimmt dann, wie hoch die Vorlauftemperatur sein muss.
Normleistung und tatsächliche Leistung
Hersteller geben die Leistung ihrer Heizkörper als Normwärmeleistung nach DIN EN 442 an. Sie gilt für eine Vorlauftemperatur von 75 °C, eine Rücklauftemperatur von 65 °C und eine Raumtemperatur von 20 °C – kurz 75/65/20. Mit einer Wärmepumpe wird das Wasser aber meist deutlich weniger warm.
Wie viel Leistung bei anderen Temperaturen übrig bleibt, lässt sich mit der Formel aus der Norm umrechnen. Für einen typischen Plattenheizkörper ergibt sich rechnerisch:
| Systemtemperaturen | Anteil der Normleistung |
|---|---|
| 75/65/20 °C (Norm) | 100 % |
| 55/45/20 °C | etwa die Hälfte |
| 35/30/20 °C | etwa ein Sechstel |
Die Werte sind gerundet und mit einem für Plattenheizkörper üblichen Heizkörperexponenten von etwa 1,3 gerechnet. Genaue Angaben für ein bestimmtes Modell stehen in den Leistungstabellen des Herstellers. Wichtig ist die Größenordnung: Ein Heizkörper, der mit einer alten Gasheizung locker ausgereicht hat, kann mit niedriger Vorlauftemperatur zu klein sein.
So schätzen Sie Ihre Heizkörper ein
Praxistest mit der bestehenden Heizung
Die zuverlässigste erste Einschätzung liefert Ihr eigenes Haus. Lassen Sie an kalten Tagen die Vorlauftemperatur der vorhandenen Heizung schrittweise absenken – bei einer Gastherme am besten durch einen Fachbetrieb – und beobachten Sie:
- Welche Räume werden zuerst nicht mehr richtig warm?
- In welchen Räumen stehen die Thermostate dauerhaft ganz offen?
- Wie warm wird es noch, wenn draußen Frost herrscht?
Wie die Vorlauftemperatur über die Heizkurve gesteuert wird, erklärt der Ratgeber Heizkurve einstellen.
Raumweise Betrachtung
Für die Planung wird für jeden Raum ermittelt, wie viel Wärme er an kalten Tagen braucht, und mit der Leistung des vorhandenen Heizkörpers bei der geplanten Vorlauftemperatur verglichen. So zeigt sich, welche Heizkörper ausreichen und welche nicht. Diese Betrachtung gehört in die Planung durch einen Fachbetrieb oder Fachplaner.
Welche Heizkörper sich eignen
Größere Plattenheizkörper
Die naheliegende Lösung: ein Heizkörper mit mehr Fläche. Plattenheizkörper gibt es mit ein, zwei oder drei Platten und zusätzlichen Konvektorblechen. Ein Typ 22 oder Typ 33 gibt bei gleicher Länge und Höhe deutlich mehr Wärme ab als ein Typ 11. Was die Typenbezeichnungen bedeuten, steht im Ratgeber Heizkörpertypen. Oft lässt sich der neue Heizkörper an den vorhandenen Anschlüssen montieren – oder er wird länger oder höher, wenn die Wand das zulässt.
Heizkörper mit Ventilatoren
Wo der Platz knapp ist, kommen Heizkörper mit eingebauten Ventilatoren infrage, oft als Wärmepumpen-Heizkörper bezeichnet. Kleine Lüfter blasen Luft durch den Heizkörper und erhöhen so die Wärmeabgabe bei niedriger Wassertemperatur. Sie brauchen einen Stromanschluss und können leise hörbar sein. Ob sie im Schlafzimmer stören, sollte vorher geklärt werden.
Vorhandene große Heizkörper
In Berliner Altbauten hängen oft große Guss- oder Stahlgliederheizkörper. Sie sind nicht automatisch ungeeignet: Wegen ihrer großen Fläche reichen sie manchmal auch bei niedriger Vorlauftemperatur aus. Entscheidend ist der Vergleich mit dem Wärmebedarf des Raums.
Müssen alle Heizkörper getauscht werden?
In den meisten Fällen nicht. Sinnvoll ist ein gezielter Tausch der Heizkörper, die bei niedriger Vorlauftemperatur nicht ausreichen. Damit sinkt die nötige Vorlauftemperatur für das ganze Haus. Wie ein Heizkörpertausch abläuft, beschreibt unsere Seite Heizkörper austauschen.
Genauso wichtig wie die Größe ist die Verteilung. Bekommen einzelne Heizkörper zu wenig Wasser, bleibt der Raum kühl, obwohl der Heizkörper groß genug wäre. Ein hydraulischer Abgleich sorgt dafür, dass jeder Heizkörper die passende Wassermenge erhält. Er gehört bei einer Wärmepumpe fast immer dazu.
Typische Fehler
- Heizkörper nach der Normleistung auswählen, ohne die Vorlauftemperatur zu beachten.
- Alle Heizkörper pauschal tauschen, statt raumweise zu prüfen.
- Einen kalten Raum mit höherer Vorlauftemperatur für das ganze Haus ausgleichen.
- Den hydraulischen Abgleich nach dem Heizkörpertausch auslassen.
- Heizkörper durch Möbel oder dichte Verkleidungen verdecken.
Wann der Fachbetrieb ins Spiel kommt
Die Auswahl der Heizkörper gehört zur Planung der Wärmepumpe: Wärmebedarf je Raum, geplante Vorlauftemperatur, vorhandene Anschlüsse und die Verteilung im Haus. Ob eine Wärmepumpe in Ihrem Gebäude sinnvoll arbeiten kann, prüfen wir auf unserer Seite Wärmepumpe Berlin. Zu Fördermöglichkeiten gibt die Seite Förderung Heizungsmodernisierung einen Überblick.
Fazit
Eine Wärmepumpe braucht keine Fußbodenheizung, aber Heizflächen, die mit niedriger Vorlauftemperatur genug Wärme abgeben. Bei sinkender Wassertemperatur geht die Leistung eines Heizkörpers deutlich zurück. Prüfen Sie deshalb raumweise, wo es knapp wird, und tauschen Sie gezielt die Heizkörper, die nicht ausreichen. Zusammen mit einem hydraulischen Abgleich arbeitet die Wärmepumpe dann mit niedriger Vorlauftemperatur – und damit sparsam.
























































































