Der Heizkörper steht genau dort, wo das Sofa oder der Schrank hin soll, eine Wand wird geöffnet, oder bei einer Renovierung ändert sich die Raumaufteilung. Dann liegt der Gedanke nahe, den Heizkörper einfach an eine andere Stelle zu versetzen. Technisch ist das fast immer möglich, aber es ist ein Eingriff in das Rohrnetz der Heizung. Hier lesen Sie, was dabei passiert, welche Fragen Sie vorher klären sollten und was Sie selbst vorbereiten können.
Typische Gründe für das Versetzen
- Möbel und Nutzung: Ein Heizkörper an der einzigen langen Wand schränkt die Einrichtung ein. Steht ein Möbelstück davor, kommt die Wärme schlecht im Raum an.
- Umbau: Wände werden versetzt, Räume zusammengelegt oder geteilt, eine Küche oder ein Bad wird neu geplant.
- Fenster und Türen: Ein neues oder vergrößertes Fenster, eine Terrassentür oder eine bodentiefe Verglasung verändern die verfügbare Wandfläche.
- Neuer Heizkörper: Ein anderes Format, etwa ein hoher, schmaler Heizkörper, passt nur an eine andere Stelle.
Was technisch dazugehört: die Anschlussleitungen
Jeder Heizkörper hängt an zwei Leitungen: dem Vorlauf, der warmes Wasser bringt, und dem Rücklauf, der es zurückführt. Wird der Heizkörper versetzt, müssen beide Leitungen bis zur neuen Stelle reichen. Dafür gibt es grundsätzlich zwei Wege.
Aufputz
Die Leitungen werden sichtbar an der Wand oder entlang der Fußleiste geführt. Das ist weniger aufwendig, weil keine Wand geöffnet wird, und die Leitungen bleiben zugänglich. Nachteil ist die Optik. Abhilfe schaffen Sockelleisten-Kanäle oder Verkleidungen.
Unterputz oder im Boden
Die Leitungen verschwinden in der Wand oder im Fußbodenaufbau. Das sieht sauberer aus, bedeutet aber Stemm-, Putz- und eventuell Bodenarbeiten. Bei einer ohnehin geplanten Renovierung ist das oft die naheliegende Wahl. In Altbauten mit Holzbalkendecken und in tragenden Wänden sind die Möglichkeiten begrenzt, das muss vorher geklärt werden.
Als Material kommen je nach bestehender Anlage Kupfer, Stahl oder Mehrschichtverbundrohr in Frage. Wichtig ist, dass die Materialien zueinander passen und die Verbindungen für das Heizungsnetz geeignet sind. Neue Leitungen in unbeheizten Bereichen oder im Fußbodenaufbau werden gedämmt, damit die Wärme nicht unterwegs verloren geht – mehr dazu im Ratgeber Heizungsrohre dämmen.
Vorher sollte außerdem klar sein, wie die Heizung im Gebäude aufgebaut ist. In den meisten Anlagen hat jeder Heizkörper einen eigenen Vor- und Rücklauf. In manchen älteren Gebäuden gibt es dagegen Einrohrheizungen, bei denen mehrere Heizkörper nacheinander an einer gemeinsamen Ringleitung hängen. Dort beeinflusst ein versetzter Heizkörper auch die nachfolgenden, und die Planung ist entsprechend aufwendiger.
Entleeren, Umbauen, Befüllen, Entlüften
Bevor Leitungen geöffnet werden, wird der Heizkörper abgesperrt und das Wasser abgelassen. Wie das Abnehmen selbst abläuft, beschreibt der Ratgeber Heizkörper abmontieren. Beim Versetzen kommt hinzu, dass meist auch die Zuleitungen geöffnet werden. Lässt sich der betroffene Bereich nicht separat absperren, muss die Anlage ganz oder teilweise entleert werden.
Nach dem Umbau wird die Anlage wieder befüllt und auf den richtigen Druck gebracht. Das neue Leitungsstück und der Heizkörper enthalten zunächst Luft. Deshalb wird gründlich entlüftet, oft mehrmals in den ersten Tagen. Wie Sie danach selbst entlüften und Wasser nachfüllen, zeigen die Ratgeber Heizung entlüften und Heizung Wasser nachfüllen. Alle Verbindungen werden nach dem Befüllen auf Dichtheit geprüft.
Reicht die Heizleistung am neuen Ort?
Ein Heizkörper, der an der alten Stelle gut funktioniert hat, ist am neuen Platz nicht automatisch richtig. Der Wärmebedarf eines Raums hängt zwar nicht vom Standort des Heizkörpers ab, wohl aber, wie gut die Wärme im Raum ankommt:
- Unter dem Fenster oder an der Außenwand fängt der Heizkörper kalte Luft ab, die an der Scheibe nach unten fällt. Bei älteren Fenstern verringert das Zugerscheinungen und kalte Füße.
- An einer Innenwand kann es auf der gegenüberliegenden Fensterseite kühler wirken. Mit modernen, gut gedämmten Fenstern ist das häufig unproblematisch.
- Verdeckt durch Möbel, Vorhänge oder eine Verkleidung gibt der Heizkörper deutlich weniger Wärme ab, als auf dem Datenblatt steht.
Wird der Heizkörper dabei gleich gegen ein anderes Modell getauscht oder ändert sich der Raum durch den Umbau, sollte die nötige Leistung neu ermittelt werden. Wie das grob geht, erklärt der Ratgeber Heizkörpergröße berechnen, einen Überblick über Bauarten gibt der Beitrag zu Heizkörpertypen.
Nach dem Umbau: neu einregulieren
Durch längere Leitungen ändert sich der Widerstand im Rohrnetz. Der versetzte Heizkörper bekommt dadurch eventuell weniger Wasser als vorher, oder er zieht anderen Heizkörpern das Wasser ab. Typische Folge: Ein Raum wird nicht mehr richtig warm, während ein anderer überheizt. Deshalb gehört nach dem Versetzen eine Einstellung der Ventile dazu, im besten Fall als hydraulischer Abgleich für die ganze Wohnung oder das Haus. Voraussetzung sind voreinstellbare Ventile. Bei sehr alten Ventilen ist ein Tausch bei dieser Gelegenheit oft sinnvoll.
Mietwohnung und Eigentumswohnung
Die Heizungsanlage gehört in der Regel zum Gebäude. In einer Mietwohnung brauchen Sie deshalb vorher die Zustimmung des Vermieters. Klären Sie am besten schriftlich, wer die Arbeiten beauftragt, wer die Kosten trägt und ob beim Auszug der ursprüngliche Zustand wiederhergestellt werden muss. In Eigentumswohnungen können Leitungen und Heizkörper je nach Teilungserklärung zum Gemeinschaftseigentum gehören. Dann ist die Verwaltung oder die Eigentümergemeinschaft einzubeziehen. Wie das im Einzelfall geregelt ist, ergibt sich aus Mietvertrag oder Teilungserklärung, im Zweifel helfen Verwaltung oder eine Beratungsstelle.
Was Sie selbst vorbereiten können
- Den Bereich um den alten und den neuen Standort freiräumen
- Böden in der Nähe abdecken, falls beim Entleeren Wasser austritt
- Fotos vom Heizkörper, von den Anschlüssen und vom Typenschild machen, falls vorhanden
- Den gewünschten neuen Platz markieren und prüfen, ob dort Steckdosen, Leitungen oder Möbel im Weg sind
- Klären, ob die Leitungen sichtbar bleiben dürfen oder verschwinden sollen
Wann ein Fachbetrieb helfen sollte
Sobald Leitungen geöffnet, verlängert oder neu verlegt werden, ist ein Heizungsinstallateur der richtige Ansprechpartner. Er prüft, wie die Leitungen am sinnvollsten geführt werden, ob der vorhandene Heizkörper am neuen Ort ausreicht und wie die Anlage danach eingestellt wird. Soll bei der Gelegenheit ein neues Modell montiert werden, lässt sich das mit einem Heizkörpertausch verbinden. Bei größeren Umbauten lohnt es sich, das Versetzen früh in die Planung aufzunehmen, bevor Wände verputzt und Böden verlegt sind.























































































































