Das Wasser steht nach dem Zähneputzen noch minutenlang im Becken, oder es gluckert und läuft nur zäh ab: Ein verstopftes Waschbecken ist lästig, lässt sich aber meist ohne Chemie und ohne Werkzeugkoffer beheben. In den allermeisten Fällen sitzt die Verstopfung im Stopfen oder im Siphon direkt unter dem Becken. Hier lesen Sie, wie Sie Schritt für Schritt vorgehen und woran Sie erkennen, dass das Problem tiefer in der Leitung liegt.
Typische Ursachen
- Haare: Sie verfangen sich am Stopfen, an der Zugstange der Ablaufgarnitur oder im Siphon und bilden zusammen mit Seife einen festen Pfropfen.
- Seife und Zahnpasta: Reste lagern sich an den Rohrwänden ab und verengen den Querschnitt nach und nach.
- Kosmetik: Cremes, Öle, Rasierschaum und Make-up-Reste sind fetthaltig und binden andere Ablagerungen.
- Kalk: Bei hartem Wasser verstärken Kalkablagerungen die Beläge im Siphon und an der Ablaufgarnitur.
- Fremdkörper: Kappen, Schmuck, Wattestäbchen oder Zahnseide, die in den Ablauf gefallen sind.
Geht es um den Abfluss in der Küche, sind meist Fett und Essensreste die Ursache. Dafür gibt es einen eigenen Ratgeber: Küchenabfluss verstopft. Für Dusche und Badewanne lesen Sie Dusche Abfluss verstopft und Badewanne Abfluss verstopft.
Schritt 1: Stopfen herausnehmen und reinigen
Viele Waschbecken haben einen Ablaufstopfen, der über eine Zugstange hinter der Armatur geöffnet und geschlossen wird. Bei vielen Modellen lässt sich der Stopfen einfach nach oben herausziehen oder durch eine kleine Drehung lösen. Sitzt er fest, ist er unter dem Becken über einen Hebel mit der Zugstange verbunden. Diesen Hebel können Sie meist an einer Klemme oder Mutter lösen, danach kommt der Stopfen frei.
Bei sogenannten Pop-up-Ventilen, die durch Drücken öffnen und schließen, lässt sich der Verschluss oft herausschrauben. An der Unterseite hängen dann häufig schon die ersten Haare und Beläge. Reinigen Sie Stopfen und Ablauföffnung gründlich, zum Beispiel mit einer alten Zahnbürste. Ist das Becken danach schon wieder frei, war das die ganze Ursache.
Schritt 2: Heißes Wasser und Pümpel
Bei leichten Verstopfungen aus Seife und Kosmetik kann heißes Wasser die Beläge lösen. Verwenden Sie sehr heißes Wasser aus dem Wasserkocher, das kurz abgekühlt ist, statt sprudelnd kochendes. Siphons und Abflussrohre aus Kunststoff sowie empfindliche Beckenmaterialien sollten Sie nicht unnötig belasten. Gießen Sie das Wasser langsam in den Ablauf.
Hilft das nicht, kommt der Pümpel zum Einsatz. Entscheidend ist der Überlauf, also die kleine Öffnung oben im Becken. Ohne Abdichtung entweicht der Druck dort, und der Pümpel wirkt kaum. So gehen Sie vor:
- Den Überlauf mit einem nassen Tuch fest zuhalten oder abdecken
- Etwas Wasser ins Becken laufen lassen, bis die Gummiglocke bedeckt ist
- Den Pümpel über dem Ablauf ansetzen und mehrmals kräftig drücken und ziehen
- Wasser nachlaufen lassen und prüfen, ob es zügig abläuft
Schritt 3: Siphon abschrauben und reinigen
Der Siphon ist das gebogene Rohrstück unter dem Becken. In ihm steht immer etwas Wasser, das Gerüche aus der Kanalisation zurückhält. Genau dort sammeln sich auch Haare und Ablagerungen. Das Reinigen ist bei den meisten Waschbecken ohne Spezialwerkzeug möglich:
- Einen Eimer und ein Tuch unter den Siphon stellen
- Die Überwurfmuttern von Hand lösen, bei Bedarf vorsichtig mit einer Zange und einem Tuch als Schutz für verchromte Oberflächen
- Bei einem Flaschensiphon reicht es oft, den unteren Becher abzuschrauben und zu leeren
- Alle Teile auswaschen und die Beläge mit einer Bürste entfernen
- Dichtungen prüfen: Sind sie spröde, verformt oder rissig, ersetzen
- Alles in der richtigen Reihenfolge wieder zusammensetzen, nicht zu fest anziehen
Lassen Sie danach Wasser laufen und kontrollieren Sie die Verbindungen mit einem trockenen Tuch. Tropft es nach dem Zusammenbau, sitzt meist eine Dichtung schief. Was dann hilft, steht im Ratgeber Waschbecken-Siphon undicht.
Schritt 4: Rohrspirale vorsichtig einsetzen
Läuft das Wasser auch mit sauberem Siphon schlecht ab, sitzt die Verstopfung im Rohr dahinter, also im Wandanschluss oder in der Leitung zum Fallrohr. Eine einfache Rohrspirale aus dem Baumarkt kann hier helfen. Führen Sie sie bei abgenommenem Siphon direkt in das Wandrohr ein, drehen Sie langsam und schieben Sie mit wenig Druck nach. Stößt die Spirale auf einen festen Widerstand, der sich nicht löst, sollten Sie nicht mit Gewalt weitermachen. Ältere oder dünnwandige Rohre und Verbindungen in der Wand können dabei beschädigt werden.
Chemische Abflussreiniger: sparsam und mit Vorsicht
Chemische Rohrreiniger wirken oft stark ätzend und entwickeln beim Einsatz Hitze und Gase. Bei Haarpfropfen im Siphon sind sie häufig weniger wirksam als das mechanische Reinigen. Steht das Wasser, bleibt das Mittel im Becken stehen und kann Oberflächen, Dichtungen und Haut angreifen. Wenn Sie ein solches Mittel verwenden:
- Nur nach Gebrauchsanweisung und nicht mit anderen Reinigern mischen
- Handschuhe und Schutzbrille tragen, für Lüftung sorgen
- Danach nicht mit dem Pümpel arbeiten, weil die Lösung herausspritzen kann
- Einem Fachbetrieb vorab sagen, wenn bereits Reiniger in der Leitung ist
Wenn mehrere Abläufe betroffen sind
Ist nicht nur das Waschbecken, sondern auch die Dusche, die Badewanne oder die Toilette betroffen, liegt das Problem meist nicht im Siphon, sondern in einer gemeinsamen Leitung oder im Fallstrang des Hauses. Typische Anzeichen sind Wasser, das in einem anderen Ablauf hochkommt, ein Ablauf, der beim Spülen der Toilette gluckert, oder Geruch aus mehreren Abläufen. Mehr dazu lesen Sie in den Ratgebern Abfluss gluckert und Abfluss stinkt, einen allgemeinen Überblick gibt Abfluss verstopft – was tun. In diesem Fall bringen Hausmittel am Waschbecken nichts. Eine Rohrreinigung mit geeignetem Gerät ist dann der richtige Weg.
Mietwohnung: Wer kümmert sich?
Kleine Verstopfungen im Stopfen oder Siphon können Mieter in der Regel selbst beseitigen. Liegt die Ursache in der Leitung oder im Strang, ist meist der Vermieter zuständig. Wer die Kosten trägt, hängt unter anderem davon ab, wer die Verstopfung verursacht hat und was im Mietvertrag steht. Einen Überblick gibt der Ratgeber Abfluss verstopft: Wer zahlt?, im Einzelfall helfen Mieterberatung oder Hausverwaltung weiter.
Wann ein Fachbetrieb helfen sollte
Bleibt das Becken nach dem Reinigen von Stopfen und Siphon verstopft, sind mehrere Abläufe betroffen oder kommt Wasser an anderer Stelle hoch, ist ein Fachbetrieb für verstopfte Abflüsse der richtige Ansprechpartner. Das gilt auch, wenn der Siphon beschädigt ist, die Ablaufgarnitur sich nicht mehr bedienen lässt oder die Verbindung zur Wand undicht ist. Ist das Becken selbst alt oder beschädigt, kann es sinnvoll sein, es zusammen mit Siphon und Garnitur zu erneuern – mehr dazu auf der Seite Waschbecken montieren.























































































































