Nach dem Baden bleibt das Wasser lange in der Wanne stehen, beim Duschen in der Wanne sammelt es sich um die Füße, oder der Abfluss gluckert und riecht: Ein verstopfter Wannenablauf ist lästig, lässt sich aber oft selbst beheben. Anders als beim Waschbeckengibt es bei der Badewanne einige Besonderheiten – vor allem die Ab- und Überlaufgarnitur. Hier lesen Sie, wie Sie Schritt für Schritt vorgehen und wann die Ursache tiefer liegt.
So ist der Wannenablauf aufgebaut
Fast jede Badewanne hat eine Ab- und Überlaufgarnitur. Sie besteht aus zwei Öffnungen: dem Ablauf am Wannenboden und dem Überlauf oben an der Wannenwand. Beide sind über ein Rohr hinter der Wanne verbunden und münden gemeinsam in den Siphon unter der Wanne.
- Excenter-Garnitur: Am Überlauf sitzt ein Drehgriff. Er bewegt über einen Seilzug, den sogenannten Bowdenzug, oder ein Gestänge den Stopfen im Ablauf auf und ab.
- Push-Ventil: Der Stopfen wird durch Drücken geöffnet und geschlossen.
- Einfacher Stöpsel: Bei älteren Wannen ein loser Stopfen an einer Kette.
Für das Lösen einer Verstopfung ist vor allem der Überlauf wichtig: Er ist eine zweite Öffnung zum selben Rohr. Das spielt beim Pümpeln eine entscheidende Rolle.
Ursache eingrenzen: nur die Wanne oder mehr?
Prüfen Sie zuerst, ob nur die Badewanne betroffen ist. Laufen Waschbecken, Dusche und Toilette normal ab, sitzt die Verstopfung im Wannenablauf oder in seiner Anschlussleitung. Das lässt sich meist selbst lösen. Steigt dagegen beim Benutzen von Waschbecken oder WC Wasser in der Wanne hoch oder laufen mehrere Abläufe gleichzeitig schlecht ab, liegt das Problem weiter hinten im gemeinsamen Rohr. Gluckernde Geräusche können ebenfalls auf eine Engstelle hinweisen – siehe Abfluss gluckert.
Schritt 1: Haare am Ablaufstopfen entfernen
In den meisten Fällen sitzt die Verstopfung direkt unter dem Stopfen. Öffnen Sie den Ablauf und nehmen Sie den Stopfen heraus. Je nach Garnitur wird er nach oben gezogen, mit einer Drehung gelöst oder abgeschraubt. Darunter finden Sie oft ein Knäuel aus Haaren und Seifenresten.
- Entfernen Sie Haare mit Handschuhen, einer Pinzette oder einem Abflussreiniger-Streifen aus Kunststoff.
- Reinigen Sie den Stopfen und den sichtbaren Teil des Ablaufs mit einer alten Bürste.
- Prüfen Sie auch die Überlauföffnung, dort sammeln sich ebenfalls Ablagerungen.
Lässt sich der Stopfen nicht herausnehmen, schauen Sie in die Anleitung der Garnitur. Hebeln Sie nicht mit Werkzeug, sonst brechen Kunststoffteile oder die Mechanik verstellt sich.
Schritt 2: Heißes Wasser
Fett- und Seifenreste lassen sich mit heißem Wasser anlösen. Gießen Sie einige Liter heißes Leitungswasser in den Ablauf und lassen Sie es wirken. Kochendes Wasser ist nicht zu empfehlen: Viele Abflussrohre sind aus Kunststoff, und auch Dichtungen können darunter leiden. Bei Acryl- und Kunststoffwannen sollte kochendes Wasser ohnehin nicht direkt auf die Wannenoberfläche gelangen.
Schritt 3: Richtig pümpeln
Der Pümpel, auch Saugglocke genannt, ist bei Badewannen oft das wirksamste Werkzeug – wenn er richtig eingesetzt wird.
- Lassen Sie so viel Wasser in der Wanne, dass die Gummiglocke vollständig bedeckt ist.
- Setzen Sie den Pümpel mittig auf den Ablauf, bei geöffnetem Stopfen oder ohne ihn.
- Drücken und ziehen Sie mehrmals kräftig und gleichmäßig.
- Ziehen Sie den Pümpel ruckartig ab und prüfen Sie, ob das Wasser abläuft.
Schritt 4: Rohrspirale – mit Vorsicht
Hilft das Pümpeln nicht, kann eine Rohrspirale aus dem Baumarkt weiterhelfen. Führen Sie sie langsam durch den Ablauf ein und drehen Sie dabei. Bei Badewannen ist Vorsicht geboten: Die Spirale kann sich in der Mechanik der Garnitur verfangen oder den Bowdenzug beschädigen. Manchmal lässt sie sich besser über die Überlauföffnung einführen, nachdem die Abdeckung abgenommen wurde. Spüren Sie deutlichen Widerstand oder lässt sich die Spirale nicht weiterführen, brechen Sie ab. Mit Kraft beschädigen Sie sonst Rohre oder Dichtungen.
Grenze: der Siphon unter der Wanne
Anders als beim Waschbecken ist der Siphon einer Badewanne meist nicht direkt erreichbar. Er liegt unter der Wanne hinter der Wannenverkleidung, der sogenannten Wannenschürze. Gibt es eine Revisionsöffnung, können Sie zumindest sehen, ob dort Wasser austritt. Den Siphon selbst zu öffnen, ist in der engen Einbausituation schwierig, und eine nicht wieder dicht verschlossene Verbindung kann einen Wasserschaden unter der Wanne verursachen, der lange unbemerkt bleibt. Ohne Revisionsöffnung sollten Sie die Verkleidung nicht aufbrechen.
Chemische Rohrreiniger: nur mit Bedacht
Chemische Abflussreiniger versprechen schnelle Hilfe, haben aber Nachteile. Sie können Dichtungen, ältere Rohre und die Wannenoberfläche angreifen und sind für Haut und Augen gefährlich. Bleibt die Verstopfung bestehen, steht anschließend aggressive Lauge im Rohr, was jede weitere Arbeit erschwert. Wenn Sie ein solches Mittel verwenden, dann sparsam, genau nach Herstellerangabe, mit Handschuhen und niemals in Kombination mit anderen Reinigern oder direkt vor dem Pümpeln.
Bleibt nach dem Lösen der Verstopfung ein unangenehmer Geruch, finden Sie Hinweise im Ratgeber Abfluss stinkt. Allgemeine Tipps für alle Abläufe im Haushalt enthält der Beitrag Abfluss verstopft – was tun?, für bodengleiche Duschen der Ratgeber Dusche Abfluss verstopft.
Wann ein Fachbetrieb helfen sollte
Sind mehrere Abläufe gleichzeitig betroffen oder steigt Wasser in der Wanne hoch, wenn anderswo Wasser abläuft, sitzt die Verstopfung meist in der Fallleitung oder Grundleitung des Hauses. Dort helfen Hausmittel nicht mehr. Auch wenn die Wanne trotz aller Schritte nicht frei wird, ist Hilfe bei einem verstopften Abfluss sinnvoll. Mit einer professionellen Rohrreinigung lassen sich auch tiefer liegende Verstopfungen mechanisch lösen. Ist die Ablaufgarnitur defekt, undicht oder sehr alt und steht ohnehin eine Erneuerung an, kann es sinnvoll sein, sie im Zuge eines Badewannentauschs gleich mit zu ersetzen.
In der Mietwohnung
Haare am Stopfen entfernen und den Ablauf sauber halten, gehört in der Regel zur Pflege durch die Bewohner. Liegt die Verstopfung in der Leitung, sind meist Vermieter oder Hausverwaltung zuständig. Wer die Kosten trägt, hängt von Ursache und Einzelfall ab – mehr dazu unter Abfluss verstopft: Wer zahlt? Melden Sie Verstopfungen, die mehrere Abläufe betreffen, möglichst zeitnah.























































































































