Ein Raumthermostat ist ein kleines Gerät an der Wand, das die Lufttemperatur im Raum misst und mit dem eingestellten Sollwert vergleicht. Ist es zu kühl, gibt es der Heizung das Signal zu heizen, ist der Sollwert erreicht, nimmt es die Wärmeanforderung zurück. Je nach Anlage schaltet es dabei die Therme, den Stellantrieb eines Fußbodenheizkreises oder eine elektrische Heizung. Hier erfahren Sie, wofür ein Raumthermostat eingesetzt wird, welche Arten es gibt, wo es richtig hängt und wie Sie es im Alltag sinnvoll einstellen.
Raumthermostat, Thermostatkopf und Heizkurve: der Unterschied
Im Alltag wird vieles „Thermostat“ genannt. Für das Verständnis hilft es, drei Dinge zu trennen:
- Raumthermostat: ein Wandgerät, das einen ganzen Raum oder eine Wohnung regelt, indem es einem Wärmeerzeuger oder einem Ventil Befehle gibt.
- Heizkörperthermostat: der Thermostatkopf direkt am Ventil des Heizkörpers. Er regelt nur diesen einen Heizkörper, indem er mehr oder weniger Heizungswasser durchlässt. Wie die Stufen darauf zu lesen sind, erklärt der Ratgeber Heizungsthermostat-Stufen, den Austausch eines Kopfes beschreibt Heizkörperthermostat wechseln.
- Außentemperaturgeführte Regelung: Das Heizgerät misst mit einem Fühler an der Außenwand die Außentemperatur und bestimmt daraus über die Heizkurve, wie warm das Heizungswasser sein soll. Ein Raumthermostat ist dafür nicht zwingend nötig.
Beide Prinzipien lassen sich kombinieren: Viele Regelungen arbeiten außentemperaturgeführt und nutzen zusätzlich einen Raumfühler, der die Heizkurve korrigiert. Wie Neigung, Niveau und Raumeinfluss zusammenwirken, steht im Ratgeber Heizkurve einstellen.
Wo Raumthermostate eingesetzt werden
Gastherme und Etagenheizung mit Referenzraum
In vielen Berliner Altbauwohnungen hängt eine Gastherme in Küche oder Bad und versorgt nur diese eine Wohnung. Oft gibt es keinen Außenfühler. Dann hängt im Wohnzimmer ein Raumthermostat, und die Therme heizt, solange dieser Raum unter dem Sollwert liegt. Man spricht von raumgeführter Regelung, der Raum mit dem Thermostat ist der Referenzraum. Was dort passiert, bestimmt das Verhalten der Heizung für die ganze Wohnung.
Fußbodenheizung mit Einzelraumregelung
Bei Fußbodenheizungen hat meist jeder Raum ein eigenes Thermostat. Es steuert keinen Kessel, sondern die Stellantriebe am Heizkreisverteiler. Diese öffnen oder schließen die Heizkreise des jeweiligen Raums. Die Vorlauftemperatur kommt weiterhin vom Wärmeerzeuger. Wie Thermostat, Verteiler und Vorlauf bei der Fußbodenheizung zusammenspielen, beschreibt der Ratgeber Fußbodenheizung einstellen.
Elektrische Heizungen
Auch elektrische Fußbodenheizungen, Infrarotheizungen oder Elektroheizkörper werden oft über ein Raumthermostat geregelt. Hier schaltet das Thermostat direkt oder über ein Relais die Heizleistung. Das betrifft Netzspannung und gehört ausschließlich in die Hand einer Elektrofachkraft.
Welche Arten von Raumthermostaten es gibt
| Bauart | Merkmale |
|---|---|
| Mechanisch | Drehrad, Fühler etwa aus Bimetall, kein Zeitprogramm, sehr einfach und robust |
| Digital mit Zeitprogramm | Display, Wochenprogramm mit Heiz- und Absenkzeiten, oft batteriebetrieben |
| Funk | Thermostat und Empfänger getrennt, kein Kabel zum Raum nötig, Batterie und Reichweite beachten |
| Smart | Bedienung per App, teils mit Anwesenheitserkennung, setzt passende Schnittstelle und Netzwerk voraus |
Zweipunktregler und stetige Regler
Ein Zweipunktregler kennt nur zwei Zustände: Heizen an oder aus. Er schaltet ein, wenn die Temperatur etwas unter den Sollwert fällt, und aus, wenn sie ihn erreicht hat. Ein stetiger oder modulierender Regler dagegen meldet dem Heizgerät, wie viel Wärme gebraucht wird. Eine modulierende Therme kann dann mit kleiner Leistung gleichmäßig durchlaufen, statt ständig an- und auszugehen. Das setzt voraus, dass Thermostat und Heizgerät über eine passende Schnittstelle miteinander kommunizieren können.
Kabel oder Funk, 230 Volt oder Kleinspannung
Kabelgebundene Thermostate arbeiten je nach System mit Netzspannung oder mit Kleinspannung, etwa 24 Volt bei manchen Stellantrieben, oder mit einem eigenen Bus des Herstellers. Funkthermostate brauchen am Raum kein Kabel, wohl aber einen Empfänger am Heizgerät oder Verteiler. Welche Variante passt, hängt von der vorhandenen Anlage ab.
Der richtige Montageort
Ein Raumthermostat misst nur die Luft unmittelbar um sich herum. Hängt es an einer ungünstigen Stelle, regelt es zuverlässig, aber auf die falsche Temperatur. Bewährt hat sich:
- an einer Innenwand, nicht an einer kalten Außenwand,
- etwa in Augenhöhe, meist rund 1,5 Meter über dem Boden, je nach Herstellerangabe,
- nicht in direkter Sonne und nicht über oder neben Heizkörper, Lampe oder Fernseher,
- nicht im Luftzug von Fenster, Balkon- oder Wohnungstür,
- frei zugänglich, nicht hinter Vorhang, Schrank oder Sofa.
Schon eine Stehlampe oder ein Kühlschrank auf der anderen Wandseite kann die Messung verfälschen. Lässt sich ein ungünstiger Ort nicht ändern, bieten manche Geräte einen externen Fühler oder eine Korrektur der Messung im Menü.
Raumthermostat richtig einstellen
Solltemperatur
Stellen Sie die Temperatur ein, die Sie im Raum tatsächlich haben möchten, und ändern Sie sie danach nur in kleinen Schritten. Als grobe Orientierung gelten im Wohnbereich häufig um 20 °C, im Schlafzimmer etwas weniger und im Bad etwas mehr. Was angenehm ist, hängt aber von Ihnen und vom Gebäude ab. Ein höherer Sollwert lässt den Raum nicht schneller warm werden, sondern nur länger heizen.
Zeitprogramm und Absenkung
Digitale Thermostate erlauben Heiz- und Absenkzeiten, etwa nachts oder während der Arbeitszeit. Legen Sie das Ende der Absenkung so, dass der Raum zum Aufstehen oder Heimkommen warm ist. Träge Systeme wie eine Fußbodenheizung brauchen dafür deutlich mehr Vorlauf als Heizkörper. Ob und wie stark sich eine Absenkung bei Ihrer Anlage lohnt, erklärt der Ratgeber Nachtabsenkung der Heizung.
Schaltdifferenz
Damit ein Zweipunktregler nicht ständig ein- und ausschaltet, arbeitet er mit einer Schaltdifferenz, auch Hysterese genannt. Sie ist ein kleiner Bereich um den Sollwert, in dem nicht geschaltet wird. Ist er zu klein, geht die Heizung sehr oft an und aus. Ist er zu groß, schwankt die Raumtemperatur spürbar. Bei manchen Geräten lässt sich der Wert im Fachmenü ändern; das sollte man nur mit Anleitung oder Fachbetrieb tun.
Thermostatköpfe im Referenzraum
Bei raumgeführter Regelung sollten die Thermostatköpfe im Referenzraum voll geöffnet sein. Sonst regeln zwei Thermostate gegeneinander: Der Kopf schließt den Heizkörper, das Raumthermostat misst weiter zu wenig und fordert Wärme an, die im Raum nicht ankommt. In den übrigen Räumen regeln die Thermostatköpfe wie gewohnt.
Typische Probleme und ihre Ursachen
- Heizung taktet: Die Therme springt alle paar Minuten an und wieder aus. Häufige Gründe sind eine zu kleine Schaltdifferenz, ein Thermostat nahe einer Wärmequelle oder geschlossene Ventile im Referenzraum. Bei Wärmepumpen kommen weitere Ursachen hinzu, siehe Wärmepumpe taktet.
- Andere Räume bleiben kalt: Wird der Referenzraum durch Sonne, Kaminofen oder viele Personen warm, schaltet die Heizung ab, obwohl der Rest der Wohnung noch Wärme braucht.
- Raum wird zu warm: Das Thermostat hängt an einer kalten Stelle oder im Luftzug und misst zu wenig.
- Display leer oder keine Reaktion: Oft ist schlicht die Batterie leer. Was die Heizung dann macht, hängt vom Modell ab.
- Falsche Zuordnung: Bei Fußbodenheizungen reagiert ein Raum nicht auf sein eigenes Thermostat, dafür ein anderer. Dann stimmt die Verbindung zu den Stellantrieben nicht.
Wann ein Fachbetrieb helfen sollte
Batterie wechseln, Sollwert und Zeitprogramm anpassen oder Möbel vom Thermostat abrücken können Sie selbst. Bleibt die Wohnung trotzdem ungleich warm oder taktet die Therme weiter, liegt die Ursache oft in der Regelung des Heizgeräts oder in der Hydraulik. Dann lohnt eine Heizungsoptimierung, bei der Heizkurve, Pumpe und Regelung auf das Gebäude abgestimmt werden. Bei einer Fußbodenheizung mit falsch zugeordneten oder defekten Stellantrieben hilft ein Fachbetrieb für Fußbodenheizung. Zeigt das Heizgerät eine Störung oder heizt trotz Wärmeanforderung gar nicht, ist das ein Fall für die Heizungsreparatur. Ein neues Thermostat anschließen oder an ein anderes Heizgerät anbinden sollte immer eine Fachkraft. In der Mietwohnung ist bei Problemen mit Thermostat oder Therme in der Regel die Hausverwaltung der erste Ansprechpartner.









