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Weiße Gas-Brennwerttherme an einer Wand im Technikraum mit grau gedämmten Vorlauf-, Rücklauf- und Gasleitungen und Abgasrohr nach oben
Ratgeber

Heizung & Energie

Brennwerttherme: Funktion, Kondensat und richtiger Betrieb

Eine Brennwerttherme holt zusätzlich Wärme aus dem Wasserdampf im Abgas – aber nur, wenn das Heizungswasser kühl genug zurückkommt. Was hinter Heizwert und Brennwert steckt, was mit dem Kondensat passiert und wie Sie erkennen, ob Ihr Gerät seinen Vorteil ausspielt.

15. Oktober 2026

In vielen Berliner Wohnungen hängt eine Gastherme, auf der „Brennwert“ steht. Ob das Gerät seinen technischen Vorteil auch ausspielt, ist eine andere Frage: Eine Brennwerttherme arbeitet nur dann wirklich im Brennwertbereich, wenn die Heizungsanlage dazu passt und sinnvoll eingestellt ist. Dieser Ratgeber erklärt, was Brennwerttechnik physikalisch bedeutet, was es mit dem Kondensat auf sich hat und an welchen Stellen Sie oder Ihr Fachbetrieb ansetzen können. Wie eine Gastherme grundsätzlich aufgebaut ist, lesen Sie im Ratgeber Was ist eine Gastherme?

Heizwert und Brennwert: der Unterschied

Bei der Verbrennung von Erdgas entstehen vor allem Kohlendioxid und Wasserdampf. Der Heizwert beschreibt die Wärmemenge, die frei wird, wenn dieser Wasserdampf als Dampf mit dem Abgas entweicht. Der Brennwert umfasst zusätzlich die Wärme, die frei wird, wenn der Wasserdampf abkühlt und wieder zu Wasser kondensiert – die sogenannte Kondensationswärme.

Bei Erdgas liegt der Brennwert grob in der Größenordnung von einem Zehntel über dem Heizwert; der genaue Abstand hängt von der Gaszusammensetzung ab. Ein klassisches Heizwertgerät lässt diesen Anteil ungenutzt durch den Schornstein entweichen. Eine Brennwerttherme kühlt das Abgas in einem dafür ausgelegten Wärmetauscher so weit ab, dass ein Teil des Wasserdampfs kondensiert, und gibt die dabei frei werdende Wärme an das Heizungswasser ab.

Warum die Rücklauftemperatur entscheidet

Wasserdampf kondensiert nur, wenn das Abgas unter seinen Taupunkt abgekühlt wird. Bei Erdgas liegt dieser Taupunkt als Näherung etwa um 55 °C; der genaue Wert hängt unter anderem vom Luftüberschuss bei der Verbrennung ab. Gekühlt wird das Abgas vom Heizungswasser, das aus den Heizkörpern zurück zur Therme fließt, also vom Rücklauf.

Daraus folgt die wichtigste Regel: Je kühler der Rücklauf, desto mehr Wasserdampf kondensiert und desto stärker greift der Brennwerteffekt. Kommt das Wasser dagegen mit hoher Temperatur zurück, kann das Gerät das Abgas nicht ausreichend abkühlen und arbeitet in weiten Teilen wie ein Heizwertgerät. Ein Brennwertgerät an einer Anlage mit dauerhaft hohen Temperaturen verschenkt deshalb einen Teil seines Potenzials.

Heizwertgerät und Brennwertgerät im Vergleich

MerkmalHeizwertgerätBrennwertgerät
Wärme aus dem Wasserdampfbleibt weitgehend ungenutztwird teilweise zurückgewonnen
Abgastemperaturvergleichsweise hochdeutlich niedriger
Kondensatsoll im Gerät vermieden werdenentsteht gewollt, wird abgeleitet
Abgasleitungklassischer Schornstein möglichfeuchteunempfindlich, meist Kunststoff oder Edelstahl
Abhängigkeit von Systemtemperaturengeringhoch, kühler Rücklauf nötig

Kondensat und Abgasleitung

Das Kondensat ist leicht sauer. Es sammelt sich im Gerät und wird über einen Siphon und einen Schlauch in die Hausentwässerung geleitet. Ob vorher eine Neutralisationseinrichtung nötig ist, hängt von der Geräteleistung, der Anlage und den örtlichen Vorgaben ab. Bei typischen Wohnungsthermen ist das häufig nicht erforderlich, verbindlich ist aber die Einzelfallbewertung durch den Fachbetrieb.

Weil das Abgas kühl und feucht ist, kann sich auch in der Abgasleitung Kondensat bilden. Brennwertgeräte brauchen deshalb eine feuchteunempfindliche, dichte Abgasanlage, die für diesen Betrieb zugelassen ist. Ein alter gemauerter Schornstein wird in der Regel mit einem passenden Rohr nachgerüstet. Tropft Wasser an der Therme oder sammelt sich darunter, kann der Kondensatablauf betroffen sein – mehr dazu im Ratgeber Gastherme tropft. Ein verstopfter Siphon oder eine eingefrorene Kondensatleitung kann außerdem zu Störungen führen.

Einstellungen für eine gute Brennwertnutzung

Ob eine Brennwerttherme im Brennwertbereich arbeitet, entscheidet sich weniger am Gerät selbst als an der Anlage dahinter. Die wichtigsten Ansatzpunkte:

  • Heizkurve: Die Vorlauftemperatur sollte so niedrig sein, wie es für warme Räume gerade reicht. Wie Sie sich an eine passende Einstellung herantasten, erklärt der Ratgeber Heizkurve einstellen.
  • Hydraulischer Abgleich: Ohne Abgleich bekommen manche Heizkörper zu viel Wasser, das dann zu warm zurückfließt. Ein hydraulischer Abgleich verteilt den Durchfluss passend auf die Räume.
  • Pumpe: Eine zu hoch eingestellte Umwälzpumpe drückt das Wasser so schnell durch die Heizkörper, dass es kaum abkühlt. Die Pumpeneinstellung gehört zur Feinabstimmung der Anlage.
  • Thermostatventile: Viele kleine, gleichmäßig geöffnete Heizkörper arbeiten mit niedrigerer Temperatur als wenige stark aufgedrehte. Lassen Sie die Thermostatventile in genutzten Räumen offen und regeln Sie über die Raumtemperatur statt über ständiges Auf- und Zudrehen.
  • Warmwasser: Die Warmwasserbereitung braucht höhere Temperaturen. Eine unnötig hoch eingestellte Speichertemperatur verringert den Brennwertanteil, eine zu niedrige ist aus hygienischen Gründen aber ebenfalls keine Lösung.

Einstellungen an der Heizkurve und an den Thermostaten können Sie in der Regel über das Bedienfeld und laut Anleitung selbst vornehmen. Pumpeneinstellung, Abgleich und Regelparameter im Servicemenü gehören in die Hände eines Fachbetriebs.

Anzeichen für eine schlechte Brennwertnutzung

Ob Ihr Gerät viel kondensiert, sehen Sie von außen nicht direkt. Einige Hinweise lassen sich aber beobachten:

  • Heizkörper sind oben und unten fast gleich heiß, auch an milden Tagen.
  • Die Vorlauftemperatur ist ganzjährig hoch eingestellt.
  • Einzelne Räume werden nur warm, wenn die Temperatur insgesamt hochgedreht wird, andere sind gleichzeitig überheizt.
  • Die Therme schaltet in kurzen Abständen ein und aus.
  • Am Kondensatschlauch kommt in der Heizperiode kaum oder kein Wasser an, obwohl das Gerät läuft.

Diese Punkte sind Hinweise, keine Diagnose. Ob die Anlage gut eingestellt ist, lässt sich bei einer Wartung oder einer Anlagenprüfung zuverlässiger beurteilen. Bei der jährlichen Abgasmessung werden unter anderem Abgaswerte erfasst – was dabei passiert, steht im Ratgeber Abgasmessung Gastherme.

Wann ein Fachbetrieb helfen sollte

Eine Brennwerttherme ist ein Gasgerät. Öffnen Sie die Verkleidung nicht und arbeiten Sie nicht an Brenner, Gasarmatur, Abgasleitung oder Elektronik. Das Reinigen von Wärmetauscher und Siphon gehört zur fachgerechten Gasthermenwartung. Bei Gasgeruch gelten die Regeln aus dem Ratgeber Gasgeruch – was tun?

Steht ohnehin ein Gerätetausch an, lohnt ein Blick auf die gesamte Anlage: Heizkörper, Rohrnetz, Regelung und mögliche Alternativen. Wie lange Thermen typischerweise halten, lesen Sie unter Gastherme Lebensdauer, welche Kostenpunkte beim Austausch eine Rolle spielen, unter Gastherme Kosten mit Einbau. Für eine Bestandsaufnahme der Anlage finden Sie Informationen auf der Seite Heizungsmodernisierung.

In der Mietwohnung

In Mietwohnungen gehört die Therme in der Regel zur Ausstattung des Vermieters, der sich auch um Wartung und Reparatur kümmert. Die Heizkurve ist bei vielen Geräten über das Bedienfeld zugänglich; ob Sie daran etwas verändern sollten, stimmen Sie am besten mit Vermieter oder Hausverwaltung ab. Fällt Ihnen auf, dass die Anlage dauerhaft sehr heiß läuft oder Räume ungleichmäßig warm werden, melden Sie das – eine Prüfung kann für beide Seiten sinnvoll sein. Was im Einzelfall gilt, hängt vom Mietvertrag ab.

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