Einzelne Räume werden nicht mehr richtig warm, am Verteiler bewegt sich in manchen Kreisen kaum noch etwas, und die Vorlauftemperatur muss immer weiter nach oben. Häufig steckt dahinter Schlamm in den Rohrschleifen. Dann hilft kein Nachstellen mehr, sondern eine Spülung der Fußbodenheizung. Dieser Ratgeber erklärt, woran Sie Verschlammung erkennen, wann Spülen sinnvoll ist und wie ein Fachbetrieb dabei vorgeht.
Spülen ist nicht Entlüften
Beide Begriffe werden oft durcheinandergebracht. Beim Entlüften geht es um Luft, die sich in Verteiler oder Heizkreis gesammelt hat. Dabei wird ein Kreis unter Umständen auch kurz durchströmt, um die Luft aus der Rohrschleife zu drücken – das beschreiben wir im Ratgeber Fußbodenheizung entlüften.
Die Spülung gegen Verschlammung hat ein anderes Ziel: Sie soll Ablagerungen wie Schlamm, Korrosionspartikel oder biologische Beläge aus den Rohren lösen und aus der Anlage bringen. Das dauert länger, braucht mehr Durchfluss und wird mit einer sauberen Neubefüllung abgeschlossen.
Wie Schlamm in die Fußbodenheizung kommt
Schlamm entsteht im Heizungswasser selbst. Gelangt immer wieder Sauerstoff in das System, korrodieren metallische Bauteile, und die Korrosionsprodukte setzen sich als Schlamm ab. Hinzu kommen in manchen Anlagen biologische Beläge. In den langen, engen Rohrschleifen einer Fußbodenheizung fließt das Wasser langsam – dort lagert sich Schmutz besonders leicht ab.
Betroffen sind vor allem ältere Anlagen, bei denen Kunststoffrohre ohne Sauerstoffsperre verlegt wurden. Über diese Rohre kann dauerhaft Sauerstoff ins Heizungswasser gelangen. Auch häufiges Nachfüllen mit unbehandeltem Wasser trägt Sauerstoff und Mineralien ein. Mehr dazu im Ratgeber Heizungswasser aufbereiten.
Typische Anzeichen für Verschlammung
- Einzelne Räume oder Bereiche bleiben kühl, obwohl Thermostat und Regelung stimmen.
- Die Durchflussmesser am Verteiler zeigen in manchen Kreisen kaum oder keinen Durchfluss.
- Die Vorlauftemperatur muss über die Jahre immer weiter erhöht werden.
- Beim Entlüften oder Ablassen kommt dunkles, trübes Wasser.
- Schmutzfänger oder Filter setzen sich schnell wieder zu.
- Stellantriebe, Ventile oder Durchflussmesser wirken schwergängig oder klemmen.
Diese Anzeichen sind ein Hinweis, aber kein Beweis. Ein kühler Raum kann auch an Luft, an einem Stellantrieb oder an der Einstellung liegen. Wie Sie das eingrenzen, steht im Ratgeber Fußbodenheizung wird nicht warm.
Wann eine Spülung sinnvoll ist – und wann nicht
Eine Spülung lohnt sich vor allem,
- wenn mehrere der oben genannten Anzeichen zusammenkommen,
- wenn trübes oder dunkles Heizungswasser auf Ablagerungen hinweist,
- wenn ein neuer Wärmeerzeuger eingebaut wird – neue Geräte sind empfindlich gegenüber Schlamm aus dem Bestandssystem,
- wenn die Fußbodenheizung lange nicht mehr gewartet wurde und Probleme zeigt.
Nicht sinnvoll ist eine Spülung, wenn das Problem eindeutig Luft ist oder wenn ein einzelner Stellantrieb nicht öffnet. Dann wäre der Aufwand unnötig. Deshalb steht vor jeder Spülung eine Diagnose.
So läuft eine Spülung beim Fachbetrieb ab
1. Bestandsaufnahme
Zuerst wird geprüft, wie alt die Anlage ist, welche Rohre verlegt sind und wie das Heizungswasser aussieht. Die Ausgangsstellung der Ventile und Durchflussmesser wird notiert, damit die Verteilung später wieder stimmt.
2. Kreisweise spülen
Die Heizkreise werden am Verteiler einzeln angeschlossen und mit einem Spülgerät durchströmt – so lange, bis das austretende Wasser klar ist. Je nach Verschmutzung kommen dabei unterschiedliche Verfahren zum Einsatz, zum Beispiel eine Spülung mit wechselnder Strömungsrichtung oder mit einem Wasser-Luft-Gemisch. Wird ein Reinigungsmittel eingesetzt, muss es zur Anlage passen und anschließend vollständig ausgespült werden.
3. Neu befüllen, entlüften, einstellen
Nach der Spülung wird die Anlage mit geeignetem Heizungswasser befüllt, entlüftet und auf den vorgesehenen Druck gebracht. Danach werden die Durchflüsse der Kreise wieder eingestellt – oft ist das ein guter Moment für einen hydraulischen Abgleich.
4. Ursache abstellen
Eine Spülung entfernt den Schlamm, aber nicht seine Ursache. Kommt laufend Sauerstoff ins System, bildet sich neuer Schlamm. Je nach Anlage gehören deshalb Maßnahmen wie ein Schmutzabscheider, eine geeignete Wasserbehandlung oder eine Systemtrennung dazu. Was davon nötig ist, entscheidet der Fachbetrieb nach der Bestandsaufnahme.
Was Sie selbst tun können
- Beobachten, welche Räume betroffen sind und seit wann.
- Die Anzeige der Durchflussmesser am Verteiler notieren, ohne etwas zu verstellen.
- Notieren, ob beim Entlüften trübes Wasser kam und wie oft nachgefüllt werden musste.
Die Spülung selbst gehört in die Hände eines Fachbetriebs. Verstellte Ventile, falsch eingesetzte Reinigungsmittel oder eine unsaubere Neubefüllung können mehr schaden als nützen.
Wovon der Aufwand abhängt
Feste Preise nennen wir hier bewusst nicht. Der Aufwand richtet sich vor allem nach der Zahl der Heizkreise, dem Grad der Verschmutzung, dem gewählten Verfahren, der Zugänglichkeit des Verteilers und nach Zusatzmaßnahmen wie Filter oder Wasserbehandlung. Eine belastbare Einschätzung gibt es nach der Bestandsaufnahme.
In der Mietwohnung
In einer Mietwohnung ist die Fußbodenheizung Teil der Heizungsanlage des Eigentümers. Bemerken Sie die beschriebenen Anzeichen, informieren Sie Vermieter oder Hausverwaltung und beschreiben Sie, welche Räume betroffen sind.
Fazit
Spülen und Entlüften sind zwei verschiedene Dinge: Das eine entfernt Luft, das andere Ablagerungen. Bleiben Räume trotz richtiger Einstellung kühl, zeigt der Verteiler kaum Durchfluss und ist das Heizungswasser trüb, kann eine Spülung die Fußbodenheizung wieder leistungsfähig machen – sofern danach auch die Ursache der Verschlammung angegangen wird. Wie wir Fußbodenheizungen prüfen und instand setzen, beschreibt unsere Seite Fußbodenheizung Berlin.














































































