In den unteren Etagen läuft das Wasser kräftig, im vierten oder fünften Stock kommt nur noch ein dünner Strahl, und die Dusche wird zur Geduldsprobe. Schnell fällt dann das Stichwort Druckerhöhungsanlage. Hier lesen Sie, was eine solche Anlage für Trinkwasser tut, wann sie tatsächlich nötig ist, wie sie grundsätzlich aufgebaut ist und warum Sie vorher klären sollten, ob der niedrige Druck nicht eine ganz andere Ursache hat.
Was ist eine Druckerhöhungsanlage?
Eine Druckerhöhungsanlage, kurz DEA, ist eine Pumpenanlage in der Trinkwasserinstallation eines Gebäudes. Sie erhöht den Druck, mit dem das Wasser aus dem öffentlichen Netz ins Haus kommt, so weit, dass auch an den am höchsten gelegenen oder am weitesten entfernten Zapfstellen genug Fließdruck ankommt. Sie arbeitet nur, wenn Wasser entnommen wird oder der Druck unter einen eingestellten Wert fällt.
Wichtig ist die Abgrenzung: Eine DEA ist keine Pumpe für einen einzelnen Wasserhahn und kein Gerät, das man nachträglich an eine Leitung schraubt. Sie wird für das Gebäude geplant, in die Hausinstallation eingebunden und muss den Anforderungen an Trinkwasseranlagen entsprechen.
Wann eine Druckerhöhungsanlage nötig ist
Wasser verliert mit jedem Höhenmeter an Druck – grob gerechnet etwa 1 bar je zehn Meter Höhe. Dazu kommen Druckverluste durch Leitungen, Armaturen, Wasserzähler und Filter. Ob der Versorgungsdruck des Netzes für ein Gebäude reicht, hängt also von der Gebäudehöhe, der Leitungsführung und dem Druck am Hausanschluss ab. Typische Fälle für eine DEA sind:
- Hohe Gebäude: Wohn- und Geschäftshäuser, bei denen der Netzdruck für die oberen Geschosse nicht ausreicht.
- Ungünstige Lage: Gebäude auf erhöhtem Gelände oder am Ende eines Versorgungsstrangs mit vergleichsweise niedrigem Netzdruck.
- Hoher Bedarf: Anlagen mit vielen gleichzeitig genutzten Zapfstellen, bei denen der Druck zu Spitzenzeiten deutlich einbricht.
- Aufstockung oder Umnutzung: Wenn ein Dachgeschoss ausgebaut oder ein Gebäude aufgestockt wird und die bestehende Versorgung oben nicht mehr reicht.
Ob eine DEA erforderlich ist, ergibt sich aus einer Berechnung der Trinkwasserinstallation nach den anerkannten Regeln der Technik. Ein Gefühl von „zu wenig Druck“ allein ist kein ausreichender Grund für eine Pumpenanlage.
Erst die Ursache klären: oft liegt es woanders
In vielen Fällen ist schwacher Wasserdruck kein Problem des Versorgungsdrucks, sondern hat eine Ursache in der Installation selbst. Bevor über eine Druckerhöhung gesprochen wird, lohnt sich deshalb ein Blick auf die naheliegenden Stellen. Einen strukturierten Überblick gibt der Ratgeber Wasserdruck zu niedrig. Häufige Ursachen sind:
- Verkalkte Strahlregler und Duschköpfe: Betrifft der schwache Strahl nur eine Zapfstelle, ist oft der Perlator zugesetzt – siehe Perlator reinigen.
- Falsch eingestellter oder defekter Druckminderer: Er sitzt meist hinter dem Wasserzähler und kann den Druck für das ganze Haus begrenzen. Mehr dazu im Ratgeber Druckminderer einstellen.
- Zugesetzter Hausfilter: Ein lange nicht gespülter oder gewechselter Filter am Hausanschluss bremst den Durchfluss spürbar. Rund um Filter und deren Pflege informiert die Seite Hauswasserfilter.
- Alte, zugewachsene Leitungen: In Altbauten verengen Ablagerungen und Korrosion den Querschnitt, besonders bei verzinkten Wasserleitungen.
- Nicht ganz geöffnete Absperrventile: Nach Arbeiten an der Leitung bleibt ein Ventil manchmal halb geschlossen.
Sind solche Ursachen ausgeschlossen und reicht der Druck trotzdem nicht, ist die Frage nach einer Druckerhöhung berechtigt. Eine Pumpe, die gegen zugewachsene Leitungen anarbeitet, löst das eigentliche Problem dagegen nicht.
Wie eine Druckerhöhungsanlage aufgebaut ist
Der genaue Aufbau hängt vom Hersteller, der Gebäudegröße und der Anschlussart ab. Im Grundsatz bestehen die meisten Anlagen aus diesen Komponenten:
| Bauteil | Aufgabe |
|---|---|
| Pumpen | Meist mehrere, oft drehzahlgeregelt; eine kann als Reserve dienen |
| Druckbehälter | Gleicht Schwankungen aus und verringert häufiges Schalten |
| Steuerung | Misst den Druck und regelt Pumpen und Wechselbetrieb |
| Bypass | Versorgt das Haus je nach Ausführung mit dem Netzdruck weiter |
| Armaturen | Absperrungen, Rückflussverhinderer und Sicherheitseinrichtungen |
Man unterscheidet außerdem, ob die Anlage direkt an die Anschlussleitung angeschlossen ist oder das Wasser über einen offenen Vorbehälter entnimmt. Welche Variante zulässig und sinnvoll ist, hängt unter anderem von den Bedingungen des Wasserversorgers und vom Bedarf des Gebäudes ab.
Trinkwasserhygiene: Stagnation vermeiden
Eine DEA ist Teil der Trinkwasserinstallation. Alles, was mit dem Wasser in Berührung kommt, muss für Trinkwasser geeignet sein, und das Wasser darf in der Anlage nicht lange stehen. Stagnation in überdimensionierten Behältern, ungenutzten Leitungsabschnitten oder selten laufenden Pumpen begünstigt das Wachstum von Keimen. Fachgerecht geplante Anlagen sind deshalb so ausgelegt, dass das Wasser regelmäßig ausgetauscht wird, und die Pumpen wechseln sich im Betrieb ab.
Ebenso wichtig ist die regelmäßige Inspektion und Wartung nach den Vorgaben des Herstellers. Dabei werden unter anderem Pumpen, Druckbehälter, Steuerung, Sicherheitseinrichtungen und Dichtheit geprüft. Wer eine DEA betreibt, sollte ein Betriebsbuch oder Wartungsprotokoll führen, aus dem die Prüfungen hervorgehen.
Planung und Abstimmung mit dem Wasserversorger
Die Planung einer DEA richtet sich nach den anerkannten Regeln der Technik für Trinkwasserinstallationen. Dazu gehören die Ermittlung des Bedarfs, die Auslegung der Pumpen, die Wahl der Anschlussart und die Frage, welche Geschosse überhaupt versorgt werden müssen. Oft werden nur die oberen Etagen über die Anlage versorgt, während die unteren mit dem Netzdruck auskommen.
Weil eine DEA auf das öffentliche Netz zurückwirken kann, verlangen Wasserversorger in der Regel eine Anmeldung oder Abstimmung, bevor sie eingebaut wird. In Berlin ist das typischerweise Sache der Berliner Wasserbetriebe. Welche Unterlagen nötig sind und welche Bedingungen gelten, sollte frühzeitig mit dem Versorger und dem ausführenden Fachplaner geklärt werden.
Mehrfamilienhaus: wer zuständig ist
Eine DEA versorgt in der Regel das ganze Haus oder mehrere Wohnungen. Sie gehört deshalb zur gemeinsamen Haustechnik, für die der Eigentümer, die Eigentümergemeinschaft oder die beauftragte Hausverwaltung zuständig ist. Betrieb, Wartung und Reparatur organisiert in aller Regel nicht der einzelne Mieter.
Wenn Sie als Mieter dauerhaft zu wenig Druck haben, dokumentieren Sie am besten, wann und an welchen Zapfstellen das auftritt, und melden es der Hausverwaltung. Haben die Nachbarn über oder unter Ihnen dasselbe Problem, spricht das eher für eine Ursache in der Hausinstallation als in Ihrer Wohnung. Wie Hausverwaltungen Sanitärthemen mit einem Fachbetrieb abstimmen können, beschreibt die Seite für Hausverwaltungen.
Wann ein Fachbetrieb helfen sollte
Lassen Sie den Wasserdruck fachkundig prüfen, wenn er im ganzen Haus oder in mehreren Wohnungen schwach ist, wenn er nach Arbeiten an der Leitung plötzlich nachgelassen hat oder wenn eine bestehende DEA auffällige Geräusche macht, häufig schaltet oder ausfällt. Bei einer bestehenden Anlage ist zuerst der Fachbetrieb gefragt, der sie betreut, sowie die Bedienungsanleitung des Herstellers.
Geht es um Ursachen in der Hausinstallation wie zugesetzte Bauteile, falsch eingestellte Druckminderer oder alte Leitungen, ist ein Blick auf die Sanitärinstallation sinnvoll. Oft lässt sich der Druck dann ohne zusätzliche Pumpe deutlich verbessern.























































































































